Dimensionen der Malerei

Wie kann die Malerei zu einem Verständnis des Lebens beitragen?

Oft wünschen wir uns, die Dinge wären einfach. Klare Antworten, klare Wege, klare Lösungen. Aber das Leben ist nicht einfach. Und die Malerei ist es auch nicht.

Schon früh habe ich für mich eine Art Überlebensstrategie entwickelt: den Dingen auf den Grund zu gehen, nicht vorschnell zufrieden zu sein mit scheinbar eindeutigen Antworten, immer weiter zu suchen – manchmal auch nur in kleinen Verschiebungen. Dieses Suchen prägt bis heute meine Malerei.

Für mich ist Malerei heute – in einer zunehmend digitalen Welt – untrennbar mit Handarbeit verbunden. Mit Farbe als Material. Mit der Frage danach, was uns Menschen im Kern ausmacht.

Meine Malerei bewegt sich in einem vieldimensionalen Raum. Dieser wird vor allem durch folgende Gegensatzpaare definiert:

* Licht und Dunkel – sowie das feine Spiel der Mikrokontraste
* Schärfe und Unschärfe
* Tiefe und Oberfläche
* Fotografische Anmutung und intuitive Malerei
* Schwarz-Weiß und Farbe

Dabei sind diese Pole für mich keine Widersprüche. Sie spannen vielmehr den Raum auf, in dem sich meine Malerei bewegt – und in dem ich versuche, dem Leben näherzukommen.

Nachdem ich mich viele Jahre vor allem auf die ersten vier Dimensionen konzentriert habe, kehrt nun die Farbe zurück in meine Bilder. Die Pole Schwarz-Weiß und Farbe stehen aktuell im Fokus. Einige dieser Arbeiten sehen Sie hier im Newsletter.

Auch die Themen meiner Arbeiten sind vielschichtig: Sie reichen von Trauer und Scham – etwa in meinen nahezu hundert Portraits von Menschen kurz vor ihrer Ermordung durch die Nationalsozialisten – bis hin zu alltäglichen Momenten oder der Liebe im Alter.

Vielleicht ist Kunst für mich genau das: ein Versuch, Komplexität nicht zu vereinfachen, sondern auszuhalten und sichtbar zu machen.

Herzliche Grüße

Reiner Packeiser