spurensuche 1941 bis 1944

In vielen Deutschen Familien gibt es unvollständige und verfälschende Erzählungen zum Leben und Handeln unserer Vorfahren während des Nationalsozialismus. So wird über meinen Großvater überliefert, dass er zwischen 1941 und 1944 als Soldat der Wehrmacht in Athen stationiert war. Er soll ausschließlich in der Schreibstube gesessen und niemals geschossen haben. Auch seine Handschrift, die Affinität zum Tango und das regelmäßige Schwimmen im Olympiastadion werden erwähnt. Solche oder ähnliche Geschichten sind recht verbreitet. Sie blenden den schmerzhaften Teil der Realität aus und hinterlassen eine Leerstelle.


Hier beginnt mein Malerei-Projekt. Ich male vorwiegend Portraits und Gruppenbilder von Menschen in Griechenland zwischen 1941 und 1944. Von Tätern, vor allem von Opfern: Menschen kurz vor ihrer Ermordung oder Jüdinnen und Juden bei der Erfassung oder Deportation. Meist konzentriere ich mich auf den Menschen. Trotz der Grausamkeiten möchte ich offene Bilder malen. Bilder, die zum Spüren anregen. Alle Bilder sind 2022 entstanden. Als Grundlage dienen Fotos von Wehrmachtsoldaten.

Wer mehr zu den Fotos wissen will, mag mit den unten stehenden Bildnummern im Bundesarchiv nachforschen.
Bild 101I-164-0368-14A, Fotograf Jesse // Bild 101I-178-1537-26, Fotograf: Teschendorf // Bild 101I-179-1575-20, Fotograf: Wetzel // Bild 183-L19034, Fotograf: Zeh // Bild 101I-166-0511-30, Fotograf Weixler // Bild 101I-437-1097-11, Fotograf Doege // Bild 101I-179-1562-08A, Fotograf Heber // Bild 101I-166-0525-12, Fotograf Weixler // Bild 101I-179-1575-20, Fotograf Wetzel // Mit freundlicher Genehmigung des Bundesarchives